Tatsächlich ist das Finden und die Auswahl eines passenden IT- oder Geschäftsprozessdienstleisters, eines der am häufigsten genannten Probleme von Verantwortlichen in deutschen Unternehmen. Generell herrscht immer noch Intransparenz auf Seiten der Anbieter – auch im Bereich Logistik. Auf dem deutschen Markt ist es sicher etwas einfacher geeignete Anbieter zu identifizieren, diese sind aber vermehrt nicht in der Lage allen Anforderungen gerecht zu werden. Dies ist nicht immer selbst verschuldet sondern häufig auf den Mangel an Fachkräften zurückzuführen.

Generell gilt bei der Auswahl von Outsourcing-Partnern auf folgende Dinge zu achten:

1) Der „Request for Information / Proposal“

Die erfolgreiche Auswahl eines geeigneten Outsourcing Partners beginnt mit der Definition der Anforderungen auf Kundenseite und damit weit bevor das eigentliche Auswahlverfahren beginnt.

2) Die eigene Organisation

Einen Aspekt den Kunden gerne vernachlässigen ist das professionelle Management von externen Partnern. Dazu müssen frühzeitig interne Kompetenzen und Verantwortlichkeiten festgelegt werden und ggf. auch neue Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen oder Erfahrungen hinzugezogen werden.

3) Interne Überprüfung der betroffenen Bereiche

Es empfiehlt sich ebenfalls die eigene Organisation und betroffenen Bereiche einer sehr strikten Bewertung zu unterziehen und Optimierungspotenziale zu suchen. Erst dann kann der eigentliche Bedarf an zusätzlichen Ressourcen, Wissen und Kompetenzen richtig beurteilt werden.

Beim eigentlichen Auswahlverfahren gilt es einige Aspekte besonders zu berücksichtigen:

1) Erfahrung des Unternehmens in der jeweiligen Branche

Es liegt auf der Hand, dass Branchenerfahrung ein Vorteil ist, denn der Partner kennt die spezifischen Prozesse und ggf. auch relevanten Regulierungen, dennoch sehen nicht alle Kunden diesen Punkt als reinen Vorteil. Denn wenn der Partner auch für die direkten Mitbewerber tätig ist, kommen schnell Fragen nach Datensicherheit auf.

2) Referenzen

Branchenerfahrung allein ist sicher nicht aussagekräftig genug wenn es um Servicequalität und Zusammenarbeit geht. Kunden sollten deshalb immer Referenzen abfragen und diese auch überprüfen. Bei ausländischen Anbietern ist auch nicht immer deutlich ob eine Referenz auch relevant ist.

3) Größe des Outsourcing-Partners

Es hat sich bewährt Partner zu wählen mit denen man „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten kann. Heißt, die großen Anbieter sind nicht immer die beste Wahl, auch wenn Diese Stabilität und breite Erfahrungen vorweisen können. Letztendlich ist hier das Verhältnis unausgewogen und der Kunde mitunter dem Anbieter ausgeliefert.

4) Kommunikation

Stellt sich bereits recht früh in den Gesprächen heraus, dass die Kommunikation nicht reibungslos läuft, kann das ein Indikator dafür sein, dass beide Unternehmen auch nicht optimal kooperieren wenn es darauf ankommt. Deshalb empfehlen wir persönliche Eindrücke und Bewertungen mit in die Entscheidung einfließen zu lassen.

5) Recht, Verträge und Preise

Insbesondere wenn eine Übertragung von Daten zum Outsourcing-Partner nötig wird, ist es wichtig auf Datenschutzaspekte zu achten. Dies gilt insbesondere wenn der Partner die Leistungen in einem anderen Land erbringt. Bei der Ausgestaltung der Verträge sollte in jedem Fall ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden – aber auch hier gilt: Branchenerfahrung ist von Vorteil. Letztlich empfiehlt sich beim Thema Preise und Konditionen fair miteinander zu bleiben. Günstig erzielt eben nur ganz selten günstige Ergebnisse.

6) Standort des Dienstleisters

Die EU bietet einen recht großen rechtssicheren Wirtschaftsraum, von dem gerade deutsche Unternehmen nur zögerlich profitieren. Denn häufig finden sich bei ausländischen Partnern nicht nur die besseren Konditionen, vielmehr ist es oft schwierig in Deutschland einen Partner zu identifizieren, der alle Anforderungen erfüllt. Andererseits kooperieren heute einige deutsche Anbieter bereits mit ausländischen Partnern um die Kundenanforderungen an Preis und Qualität erfüllen zu können.

Author: Stephan Fricke ist Vorstand sowie Vorsitzender des Beirats des „Deutschen Outsourcing Verbands e.V.” sowie des Deutschen Process Automation Verbandes. Er sammelte Erfahrungen in verschiedenen Management-, Marketing- und Kommunikationsbereichen in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Stephan Fricke arbeitete für international tätige Technologie-Forschungsorganistaionen, globale Service-Anbieter und Software-Unternehmen. Aktuell fokussiert er sich auf die Kooperationsmöglichkeiten im deutschen Markt für IT- und Business Process Outsourcing sowie für Robotic Process Automation Services. Als Herausgeber des „Outsourcing Journals” stellet er zudem Fachwissen, Erfahrungen und Marktinformationen kostenlos den Entscheidern in Deutschland aber auch international zur Verfügung. Kontakt: https://www.linkedin.com/in/stephanfricke/

 

 

 

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