Polnisch-deutsch-nachbarschaftsvertrag_640

Ein charakteristisches Merkmal der deutschen Kultur ist Pünktlichkeit und Bindung an einen zuvor festgelegten Zeitplan. Verspätung oder Nichteinhaltung eines Termins können als Unredlichkeit interpretiert werden und beeinträchtigen das Bild des Vertragspartners. Ein Business-Treffen soll grundsätzlich nicht unterbrochen werden, und die Vertreter einer Partei haben ihren Standpunkt in den Verhandlungen noch vor dem Treffen vereinbart.

Polnische Geschäftsleute messen der Zeitplanung und Pünktlichkeit weniger Gewicht bei und konzentrieren ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig auf mehr als eine Aufgabe. Sie lassen kleine Verspätungen zu und gehen oft mit dem Zeitplan flexibel um. Es ist auch zulässig, ein Business-Treffen zur Beratung zu unterbrechen. In dieser Hinsicht wirkt die polnische Business-Kultur weniger formal, aber dadurch auch chaotischer. Die Polen verfügen nämlich nicht immer über einen detaillierten Verhandlungsplan oder eine Liste der möglichen Zugeständnisse und der zu erwartenden Vorteile. Manchmal improvisieren sie und ändern ihre Meinung während der Verhandlungen oder berücksichtigen Faktoren, die zwar positiv die Gesprächsatmosphäre beeinflussen aber ohne Bedeutung für das Verhandlungsthema sind.

Die polnische und deutsche Kultur sind sich jedoch sehr ähnlich, wenn es um die Förmlichkeit und Einstellung zu Tradition, Rangordnung und Umgangsformen geht. Sowohl die Deutschen als auch die Polen sind an traditionelle Werte in der zwischenmenschlichen Beziehungen gebunden und erkennen eine gewisse Hierarchie in Bezug auf Alter, berufliche und gesellschaftliche Lage an. Die Geschäftspartner richten sich aneinander mit dem Nachnamen, nicht selten auch mit dem akademischen oder Berufstitel, und haben Achtung vor älteren oder höher in der Rangordnung gestellten Personen. Während der ersten Kontakte bleiben sie eher beherrscht und zurückhaltend.

Die ähnlichen Regeln gelten in Polen und Deutschland auch bezüglich der Kleiderordnung, Begrüßungs- und Abschiedsformen, sowie offiziellen Geschenke. Die Geschäftsleute tragen also klassische geschmackvolle aber nicht zu auffallende Gesellschaftsanzüge. Sie begrüßen sich und verabschieden mit dem Händeschütteln und suchen dabei den Augenkontakt. Nach der Vorstellung tauschen sie ihre Visitenkarten und eventuell kleine Geschenke aus, die meistens Firmengadgets sind.

Darüber hinaus vermeiden beide Seiten übertriebene Gestik, Hebung der Stimme und offenen Gefühlsausdruck. Sie sind beherrscht und halten einen Raumabstand zwischen den Gesprächsteilnehmern. Der feine Unterschied in dieser Hinsicht ist es, dass der polnische Vertragspartner ein Lächeln bei der Begrüßung zulässt oder seine Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Verhandlungen ausdrücken kann. Während die Polen bei den folgenden Treffen mit demselben Geschäftspartner lockerer wirken, bleiben die Deutschen lieber doch zurückhaltend.

Die polnische und deutsche Kultur weisen mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede aus. Dies erleichtert in höchstem Maße, die Absichten und Handlungsmotivation des ausländischen Geschäftspartners richtig zu verstehen. Langjährige Erfahrung im Aufbau der gemeinsamen wirtschaftlichen Beziehungen garantiert dagegen, dass man Bedürfnisse und Möglichkeiten des Vertragspartners gut kennt. Die Zusammenarbeit mit den Firmen aus verwandten Kulturkreisen ist viel einfacher und weniger riskant als mit den Partnern aus Regionen, die aus einer fremden Tradition stammen. Nicht zu übersehen sind auch geographische Nachbarschaft und sowohl wirtschaftliche als auch politische Interessengemeinschaft Polens und Deutschlands. All das zusammen schafft eine stabile und sichere Plattform für die gemeinsamen Geschäfte.

 

Autor / Quelle: CERI

 

> Weitere Informationen zu Polen als Nearshore-Standort finden Sie hier: “SSC und BPO Sektor in Polen – Eine umfassende Studie des ABSL”


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