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Argumente für IT-Dienstleisterkonsolidierung 

Mit der IT-Dienstleisterkonsolidierung verbinden die Unternehmen neben den Kostenaspekten auch einen geringeren Koordinationsaufwand und höhere Kostentransparenz. Zudem sehen sie einen Nutzen darin, mit einem externen Dienstleister als strategischem Partner eng zusammenzuarbeiten. 

IT-Dienstleister als strategische Partner – Gerade im Zuge von Prozessverbesserungen kann es sinnvoll sein, IT-Dienstleistungen zusammenzufassen und einem Service-Erbringer mehr Verantwortung als bisher zu übertragen. Die Automobilindustrie liefert hierzu eine Analogie: Hatten die OEMs früher eine Vielzahl von Zulieferern für eine Vielzahl an Einzelteilen unter Vertrag, arbeiten sie heute mit Systemlieferanten zusammen, die nicht nur komplette Komponenten oder Systeme bauen und anliefern, sondern bereits bei der Entwicklung bzw. auch Weiterentwicklung eingebunden sind. Der OEM profitiert vom Know-how des Systemlieferanten, verringert seinen Aufwand durch weniger Zulieferer und verlagert gleichzeitig Aufgaben an einen Spezialisten. 

Am erfolgreichsten sind dabei die Modelle, bei denen es eine wirkliche enge Zusammenarbeit zwischen den so genannten Tier-1-Lieferanten und dem OEM gibt – eine Partnerschaft statt eine bloße Kunden-Lieferanten Beziehung also. Das Beispiel des Systemlieferanten lässt sich auf IT-Dienste für Anwendungen übertragen: Hat ein Unternehmen unterschiedliche Dienstleister für Anwendungs-Services im Bereich Product Lifecycle Management (PLM) und im Bereich Manufacturing Execution Systems (MES) beauftragt, muss es für die Abstimmung zwischen PLM und MES selbst sorgen. Zudem sind jeweils eigene Service-Level-Agreements zu überwachen. 

Stattdessen kann der Anwender dann beispielsweise den Erbringer für die PLM-Services auch die Aufgaben für MES übernehmen lassen. Dieser würde hierzu die entsprechenden MES- Dienstleistungen integrieren und für sämtliche Anwendungs-Services für die PLM/MES-Umgebung sowie die Abstimmung zwischen beiden Systemen verantwortlich zeichnen – gesteuert über ein einziges SLA. 

Auf diese Weise lassen sich die IT-Dienstleistungen und damit die Prozesse leichter steuern und überwachen. Darüber hinaus vereinfacht es die geschilderte Konstellation dem Unternehmen, PLM/MES-gestützte Geschäftsprozesse mit weniger Abstimmungsaufwand mit externen Dienstleistungsanbietern an neue Anforderungen anzupassen. Auch wenn dieses PLM/MES- Szenario in der Praxis noch nicht allzu häufig anzutreffen ist, stellt es doch eine nützliche Vorgehensweise für Industrieunternehmen dar. 

 

Argumente für eine Mehrdienstleisterstrategie 

Eine Mehrdienstleisterstrategie im Bereich IT-Dienstleistungen bedeutet, einzelne Servicesegments an unterschiedliche Leistungserbringer zu vergeben. Zu den Argumenten zählen hier weniger Abhängigkeiten und ein möglicher Preiswettbewerb unter den Anbietern, der sich letztlich positiv auf den Einkaufspreis auswirken kann. 

Abhängigkeitsrisiko durch Single-Sourcing? – Es wird immer wieder das „Abhängigkeitsrisiko“ von Single-Sourcing Strategien kolportiert. Aus Sicht von PAC ist aber das operative Risiko in der IT, das sich durch die häufig fehlende Transparenz, Dokumentation, etc. ergibt wesentlich höher einzuschätzen. Gerade im Rahmen der Dienstleisterkonsolidierung tauchen in der Praxis immer wieder Fälle auf, wo Anwendungen, die von nur einer Person betreut werden, unternehmenskritische Prozesse unterstützen, ohne dass das Know-how gesichert worden wäre. Ein anderes Beispiel ist eine gewachsene, unstrukturierte und nicht-transparente Vergabe von Berechtigungen, wie sie unter den vielen IT-Dienstleistern häufig stattfinden. Daraus erwachsen enorme Sicherheitsrisiken. Zudem laufen Firmen Gefahr, Compliance-Richtlinien zu verletzen. Mittels einer IT Vendor Consolidation können Firmen solche Risiken relativ einfach beheben. 

 

Kostenbetrachtung IT-Dienstleisterkonsolidierung und Mehrdienstleisterstrategie 

Im direkten Vergleich der Kostenargumente beider Ansätze – bessere Verhandlungsposition beziehungsweise Preiswettbewerb unter den verschiedenen Providern, überwiegt in der positiven Bewertung (insgesamt 82 Prozent: 40 Prozent trifft voll zu/42 Prozent trifft zu) laut der Umfrage die bessere Verhandlungsposition, die sich aus einem höheren Vertragsvolumen durch Konsolidierung auf wenige Dienstleister ergibt. 

Dagegen gaben 76 Prozent (29 Prozent trifft voll zu/47 Prozent trifft zu) an, sie sähen positive Kostenaspekte durch einen Wettbewerb unter den Providern. Bei dieser Betrachtung bleibt der höhere Aufwand, der nötig ist, um mehrere IT-Dienstleister zu steuern, in der Kostenbetrachtung indes unberücksichtigt. 

In der Umfrage sollten die Unternehmen die Kostenvorteile einer IT-Diensleisterkonsolidierung beziffern. Die überwiegende Mehrheit sieht darin Potential zum Kostensenken: Ein großer Teil (42 Prozent) hält eine Kostenreduktion von bis zu zehn Prozent für machbar. Rund ein weiteres Fünftel kann sich sogar einen Effekt zwischen elf und 20 Prozent vorstellen. 

 

Lesen Sie mehr im 5.Teil der Serie: “Strategische Überlegungen”

Teil 1 – Kostentransparenz in der IT gefordert

Teil 2 – Marktsituation für IT-Dienstleistungen in der Anwendendungsentwicklung und -Betreuung

Teil 3 – Motivation für Dienstleisterkonsolidierung

> Teil 4 – Konsolidierung der Dienstleister oder Mehrdienstleisterstrategie

Teil 5 – Strategische Überlegungen

Teil 6 – Konsolidierungsansätze

 

Quelle: Studie: IT Vendor Consolidation im Bereich Anwendungsentwicklung und -betreuung – Potentiale, Vorteile und Grenzen, Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH im Auftrag von Accenture GmbH (Download), Artikel editiert von Outsourcing Journal (stf)

  

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