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Eine empirische Studie des Zentrums für Wirtschaftsinformatik der ZHAW bestätigt diese Aussage insofern, als dass die befragten Unternehmen als Hauptziel angaben, die Qualität Ihrer Prozesse zu optimieren sowie ihre organisationale Produktivität zu verbessern.

Lediglich ein Fünftel der befragten Unternehmen sieht in der Anwendung von Prozessmanagement einen Ansatz, um ihren Innovationsgrad zu steigern. Interessanterweise spielen das Auffinden prozessualer Engpässe sowie die Unterstützung von In- und Outsourcing-Entscheidungen bei der Zielformulierung eine untergeordnete Rolle.

Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, ihre Organisation erfülle die Reifegradstufen 1 und 2 (vgl. Grafik auf Seite 43). Dies bedeutet, dass einzelne Aspekte des Prozessmanagements durchaus thematisiert werden. Rund ein Drittel der Unternehmen erklärte, bestimmte Prozessmanagement-Methoden seien zwecks kontinuierlicher Prozessverbesserungen bereits eingeführt worden.

Doch nur 7 Prozent der Befragten bestätigten, dass in ihrem Un- ternehmen Methoden und Richtlinien für das Prozessmanagement eingeführt wurden.

Eine branchenbezogene Betrachtung zeigt, dass die Reifegradstufen 3 oder 4 insbesondere bei Organisationen des Banken- und Informatiksektors erreicht werden. Abgesehen von diesen beiden Spitzenreitern entsteht somit ein ernüchterndes Bild zur Umsetzung von Prozessmanagement im deutschsprachigen Europa. Im Einklang mit der Betrachtung des Reifegrades zeigt sich auch, dass Unternehmen, die über eine dedizierte (interne) Stelle für Prozessmanagement verfügen, am weitesten entwickelt sind.

Hindernisse und Herausforderungen

Bei der Transformation in eine prozessorientierte Organisation stellen die mangelnde Unterstützung seitens des Führungsteams sowie fehlende beziehungsweise ungenügende Vorgaben aus der Unternehmensstrategie die grössten Hindernisse dar. Als weiteres Hindernis wurden fehlende Zahlen zum finanziellen Nutzen von Prozessmanagement erwähnt. Zu wenig Fachkompetenz im Prozessmanagement respektive mangelnde Ressourcen stellen weitere Hinderungsgründe dar. Die in diesem Kontext stehenden Kosten (Investitionen, operatives Management, etc.) scheinen dagegen kein besonderer Hinderungsgrund zu sein, um Prozessmanagement einzuführen.

Erstaunlicherweise leiten 78 Prozent der Organisationen die Geschäftsprozesse nicht oder nur teilweise aus der Organisations- strategie ab. Dies, obwohl für die Umsetzung von Organisationsstrategien vielerorts das Instrument der Balanced Scorecard eingesetzt wird, das – zumindest methodisch betrachtet – diesbezüglich Hilfe leisten sollte. Lediglich 14 Prozent der befragten Unternehmen leiten Geschäftsprozesse mehrheitlich oder vollständig aus ihrer Strategie ab. Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz könnte die vielerorts mangelnde Feinkörnigkeit strategischer Vorgaben im Sinne von Zielformulierungen und konkreten Massnahmenbeschreibungen sein.

 

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Der Autor: Clemente Minonne, Dr., ist Leiter der Research Group for Knowledge and Information Management sowie Organisationsberater und Dozent an der School of Management and Law der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Dr. Minonne ist General Chair des Schweizer Councils des Outsourcing Verbandes. Kontakt: clemente.minonne@zhaw.ch

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