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Insgesamt liegt Deutschland bei den Arbeitskosten für die Privatwirtschaft im Mittelfeld der EU-Staaten – 2010 mit 29,10 Euro pro Arbeitsstunde an siebter Stelle.

Das ist die gleiche Position wie 2009, allerdings hat sich der Abstand zu Ländern mit höheren Arbeitskosten, darunter Belgien, Schweden, Dänemark, Frankreich und die Niederlande, vergrößert. Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler- Stiftung auf Basis der neuesten verfügbaren europäischen Daten. Auch die deutschen Lohnstückkosten sind in den vergangenen Jahren deutlich langsamer angestiegen als bei fast allen europäischen Handelspartnern, zeigen die Forscher im neuen europäischen Arbeitskostenreport, der heute als IMK Report 68 erscheint.* Seit Beginn der Europäischen Währungsunion hat Deutschland damit seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber den übrigen Ländern des Euroraums kontinuierlich erhöht.

Der geringe Anstieg habe zur Rekordentwicklung bei den deutschen Ausfuhren beigetragen, zugleich aber die Balance zwischen Außenhandel und Binnennachfrage in Deutschland geschwächt und die massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euroraum gefördert, so das IMK. Diese zählen die Ökonomen zu den wichtigsten Ursachen der aktuellen Krise der Währungsgemeinschaft. „Natürlich muss Deutschland international wettbewerbsfähig sein. Es kann seine Leistungsbilanzüberschüsse aber nicht immer weiter steigern. Denn das geht in einer Währungsunion zu Lasten seiner Nachbarn, die wichtige Handelspartner sind”, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Viele Arbeitgebervertreter, Ökonomen und Politiker sind sehr einseitig auf eine schwache Entwicklung der Arbeitskosten – und damit auch der Löhne – fixiert. Die aktuelle Krise zeigt uns: Das ist ein Rezept mit schweren Nebenwirkungen.”

Um die Währungsunion zu stabilisieren, müssten beide Seiten ihr Handeln ändern, schreiben die Forscher: Sowohl die Krisenländer, in denen die Arbeitskosten zu stark gestiegen waren, als auch die Länder mit großen Leistungsbilanzüberschüssen und unterdurchschnittlichen Zuwächsen bei den Arbeitskosten. „Das heißt auch: Wenn wir Lohnentwicklung und Binnennachfrage in Deutschland stärken, leisten wir einen Beitrag dazu, die Ungleichgewichte im Euroraum nachhaltig abzubauen”, erklärt Horn. Diese Lösung sei alternativlos, wenn man die Währungsunion erhalten und eine Transferunion vermeiden wolle. „Und sie beteiligt endlich die Arbeitnehmer an den Wachstumsgewinnen des vergangenen Jahrzehnts”, so das IMK. „Wie wichtig das ist, hat gerade wieder der neue OECD-Bericht zur Einkommensverteilung unterstrichen. Die wirtschaftliche Ungleichheit nimmt in Deutschland seit etwa zwei Jahrzehnten deutlich stärker zu als in anderen Ländern”, sagt Horn. „Das ist nicht nur unter dem Aspekt der Gerechtigkeit problematisch, es behindert auch unsere wirtschaftliche Entwicklung.”

Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen sowie als Arbeitskosten geltende Steuern. Die IMK- Forscher nutzen für ihre Studie die neuesten verfügbaren Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Deren Arbeitskostenstatistik erlaubt einen Vergleich auf breiterer Basis als Datenquellen, auf die sich beispielsweise das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bislang gestützt hat. 2010 mussten deutsche Arbeitgeber in der Privatwirtschaft (Industrie und privater Dienstleistungsbereich) 29,10 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden. Höher liegen die Arbeitskosten in sechs Ländern: In den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich, Schweden, Dänemark und Belgien müssen zwischen 30,40 Euro und 38,20 Euro pro Stunde ausgegeben werden (Abb. 2). Praktisch auf gleichem Niveau wie in der Bundesrepublik sind die Arbeitskosten in Finnland (28,90 Euro), etwas niedriger in Österreich und Irland (27,90 Euro). Italien wies 2010 Arbeitskosten von 26,20 Euro auf.

In den übrigen südeuropäischen EU-Staaten liegen sie zwischen 12,10 und 20 Euro. Größer ist der Abstand zu den mittel- und osteuropäischen EU-Ländern mit Stundenwerten zwischen 7 Euro in Polen und 14,10 Euro in Slowenien.

 

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Quelle: IMK – Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, www.boeckler.de (Pressemitteilung PDF)

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